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Stadtarchiv Besigheim

Für die Stadt Besigheim wurde im Jahr 2016 eine angemessene Heimstätte für ihre Archivalien, dem „Gedächtnis der Stadt“, geschaffen. In einer Scheune aus dem Jahr 1546, die sich im mittelalterlichen Kern der Stadt befindet, wurden Einbauten integriert, die sich an der bestehenden Gebäudestruktur orientieren.

In einem ersten Sanierungsschritt wurde eine nutzungsneutrale Sanierung der Dachdeckung und des bestehenden Tragwerks vorgenommen. Danach folgten die nutzungsspezifischen Einrichtungen, nachdem klar war, dass eine Wohn- oder Büronutzung wegen der eingeschränkten Belichtungsmöglichkeit und Brandschutzproblemen nicht möglich war.

Das Stadtarchiv betritt man durch das mit Holzlamellen und einer Stahl-Glas-Konstruktion versehene ehemalige Tennentor. Dabei entspricht die vertikale Strukturierung dem ehemaligen Tor. Im EG befinden sich die Fahrregalanlage, das Vorarchiv, das Leitungsbüro und ein öffentlich zugänglicher Rechercheplatz. OG und DG1 werden als Archiv mit statischen Regalen genutzt, das WC befindet sich im OG. In dieser Ebene kann auch der ehemalige Wehrgang der mittelalterlichen Stadtmauer, an die die Scheune angebaut wurde, betreten werden. Die Klimazentrale ist im DG2 untergebracht. Der Gewölbekeller wird aktuell nicht genutzt.

In das bestehende Garbenloch wurde zerstörungsfrei ein Aufzug eingebaut. Die Treppe zwischen EG und OG wurde klappbar ausgeführt, um das begrenzte Flächenangebot im EG optimal ausnutzen zu können. Die Treppenläufe beanspruchen immer nur ein Balkenfeld.

Die Decke über dem Gewölbekeller wurde im Bereich der Regalanlage ohne Eingriffe in die bestehende Struktur statisch ertüchtigt. Zusätzlich wurde das Gewölbe mit zwei Stahlbetonträgern überspannt, die die Lasten aus dem neu eingestellten Tragwerk - das wie zwei übereinander stehende Tische funktioniert - auf die Gründung abträgt. Die Bestandsstruktur wir dabei nicht belastet. Neue und alte Statik sind komplett voneinander getrennt. Die Formfindung des neuen Tragwerks erfolgte teilweise mit Hilfe eines Modells, weil die vorhandene Struktur keiner üblichen Holzbauweise folgt, sondern geschoßweise versetzt ist.  Die Untersichten der Deckkonstruktionen sind noch im Originalzustand sichtbar. Das EG wurde auf eine Nutzlast von 1000 kg/m² ausgelegt, die Obergeschosse auf 500 kg/m².

Das gesamte Gebäudevolumen wird klimatisiert mit definierter Temperatur und Luftfeuchte. Sämtliche Installationen sind sichtbar angebracht.

Die typischen Konstruktionsmerkmale, das ursprüngliche Tragwerk und die charakteristischen Materialien und Oberflächen der spätmittelalterlichen Scheune sollten sichtbar und damit erlebbar bleiben.

   

 

Nutzfläche
300 m²

Bruttorauminhalt
1 085 m²

Entwurf
2014

Planung
2015

Fertigstellung
2016

Leistungsphasen
1-8

Foto und Video
brueders + Max Isele